Freitag, März 13, 2026
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Gutes Heu für Pferde: Worauf es bei Ernte und Wiesenpflege wirklich ankommt

Wer Pferde hält, weiß: Die Grundlage jeder gesunden Pferdefütterung ist gutes Heu. Für Verdauung, Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden der Tiere ist hochwertiges Grundfutter unverzichtbar. Doch genau dieses Heu für Pferde ist vielerorts gar nicht so leicht zu bekommen.

Ideales Pferdeheu sollte rohfaserreich, eher zuckerarm und nicht zu eiweißreich sein. In der landwirtschaftlichen Praxis wird jedoch häufig Futter erzeugt, das eher auf die Bedürfnisse von Rindern ausgerichtet ist – also energie- und eiweißreich. Für Pferde ist diese Zusammensetzung jedoch oft weniger geeignet.

Wie wichtig Qualität beim Grundfutter ist, zeigt auch das Österreichische Pferde-Heuprojekt, das von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein betreut wird. Dort werden regelmäßig Heuproben untersucht, um Erkenntnisse über die Qualität von Pferdeheu zu gewinnen.


Wie gut ist unser Pferdeheu wirklich?

Im Rahmen des Projekts wurden zuletzt Heuproben aus den Jahren 2019 bis 2023 ausgewertet. Insgesamt flossen 794 Analyseergebnisse in die Untersuchung ein. Bei den 46 teilnehmenden Betrieben erwiesen sich rund 72 Prozent der Proben als futterhygienisch einwandfrei.

Dennoch zeigte die Auswertung auch Verbesserungspotenzial. Experten empfehlen beispielsweise, die Pressdichte der Heuballen eher gering zu halten, damit das Heu besser „atmen“ kann. Auch moderne Heubelüftungssysteme können helfen, die Qualität des Grundfutters weiter zu verbessern.

Besonders erfolgreich in diesem Projekt war Barbara Schneider, deren Heu im letzten Projektzyklus ausgezeichnet wurde. Von ihr wollten wir wissen, worauf es bei der Produktion von hochwertigem Pferdeheu wirklich ankommt.


Die Grundlage entsteht lange vor der Mahd

Gutes Heu entsteht nicht erst während der Ernte – die Qualität beginnt bereits auf der Wiese. Eine sorgfältige Wiesenpflege und die richtige Pflanzenzusammensetzung sind entscheidend.

Barbara Schneider setzt dabei auf eine große Vielfalt an Gräsern und Kräutern. Schon ihre Mutter begann damit, schüttere Stellen der Wiesen gezielt mit Kräutern nachzusäen. Anfangs wurde dieses Vorgehen belächelt. „Ihr mit eurem Apotheker-Heu“, habe man ihnen damals oft gesagt, erzählt Schneider. Doch über die Jahre entwickelte sich eine besonders vielfältige und robuste Wiesenstruktur.

Diese Biodiversität bringt gleich mehrere Vorteile. Unterschiedliche Pflanzenarten kommen mit wechselnden Wetterbedingungen besser zurecht und sorgen gleichzeitig für ein stabileres Ökosystem. Auch für Insekten wie Bienen und Schmetterlinge entsteht dadurch ein wertvoller Lebensraum.

Gerade in Zeiten zunehmender Wetterextreme kann eine vielfältige Pflanzenzusammensetzung entscheidend sein. Längere Trockenperioden oder starke Regenfälle stellen Wiesen zunehmend vor Herausforderungen. Schneider ließ sich deshalb von Fachleuten zu geeigneten Saatgutmischungen beraten, die besonders gut an Hitze und Trockenheit angepasst sind.


Wiesenpflege als Schlüssel zur Heuqualität

Neben der Pflanzenvielfalt spielt auch die Pflege der Wiesen eine große Rolle. Im Frühjahr werden die Flächen abgeschleppt und geeggt, um abgestorbenes Pflanzenmaterial zu entfernen und das Wachstum anzuregen.

Gedüngt wird bei Schneider bewusst ohne Kunstdünger. Stattdessen kommt gut abgelagerter Mist zum Einsatz, der auf etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Wiesenflächen ausgebracht wird. Durch die Nutzung von Effektiven Mikroorganismen entsteht im Misthaufen ein besonders aktives Bodenleben mit vielen Regenwürmern.

Ein gesunder Boden wirkt sich direkt auf das Wachstum der Gräser aus. Wenn sich der Naturdünger über den Winter gut zersetzt hat, beginnt das Gras im Frühjahr kräftig zu wachsen – ganz ohne mineralische Düngemittel.

Auch nach der Mahd hört die Arbeit nicht auf. Bereiche, die von den Pferden abgeweidet wurden, werden nachgemäht, damit sich keine einzelnen Pflanzenarten zu stark ausbreiten. Unkraut wird bei Bedarf von Hand entfernt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bewirtschaftung der Flächen: Nicht alle Wiesen werden gleichzeitig gemäht. Ein Teil darf aussamen, wodurch sich der Pflanzenbestand natürlich erneuern kann. Gleichzeitig entstehen Rückzugsräume für Tiere wie Käfer, Fasane oder Rehe.


Der richtige Zeitpunkt für die Heuernte

Ist die Wiese gut gewachsen, stellt sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Mahd. Dabei sollte man sich weniger am Kalender orientieren als vielmehr an Wetterbedingungen und Pflanzenentwicklung.

Viele Pferdehalter glauben noch immer, dass Heu möglichst spät geerntet werden sollte, damit es weniger Energie enthält. Diese Annahme ist jedoch nicht immer korrekt. Wird zu spät gemäht, kann das Heu zwar energieärmer sein, gleichzeitig kann aber auch die Futterqualität leiden.

Barbara Schneider erklärt, dass ein später Schnitt den Fruktangehalt nicht automatisch reduziert – vor allem dann nicht, wenn die Wetterbedingungen vor der Mahd ungünstig waren. Entscheidend ist daher vor allem ein stabiler Wetterabschnitt, der eine gute Trocknung ermöglicht.


Saubere Ernte – entscheidend für gutes Pferdeheu

Während der Ernte gilt es ebenfalls einige wichtige Punkte zu beachten. Eine ausreichende Schnitthöhe – empfohlen werden mindestens sieben Zentimeter – verhindert, dass Erde oder Schmutz in das Futter gelangen.

Auch beim Wenden des Heus ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zu häufiges Wenden oder zu aggressiv eingestellte Maschinen können die Pflanzen beschädigen und die Qualität des Futters beeinträchtigen.

Wenn das Heu schließlich in Ballen gepresst wird, sollte der Wassergehalt möglichst unter 15 Prozent liegen. Gleichzeitig sollten die Ballen nicht zu stark verdichtet werden, damit Luft zirkulieren kann.


Die richtige Lagerung von Heu

Auch nach der Ernte bleibt Heu ein empfindliches Naturprodukt. Die Lagerung spielt daher eine entscheidende Rolle für die spätere Futterqualität.

Heuballen sollten stets unter Dach gelagert werden, idealerweise auf Holzpaletten. Dadurch wird verhindert, dass von unten Feuchtigkeit oder Kondenswasser in das Heu eindringt. Außerdem empfiehlt es sich, die Ballen nicht zu dicht und nicht zu hoch zu stapeln.

So kann das Heu weiterhin ausreichend belüftet werden und bleibt langfristig hygienisch einwandfrei.


Fazit: Gutes Pferdeheu entsteht durch viele kleine Entscheidungen

Die Herstellung von hochwertigem Heu für Pferde ist ein komplexer Prozess. Von der Auswahl der Pflanzen über die Pflege der Wiesen bis hin zur Ernte und Lagerung greifen viele Faktoren ineinander.

Wer auf Biodiversität achtet, seine Wiesen sorgfältig bewirtschaftet und den richtigen Zeitpunkt für die Mahd wählt, schafft jedoch eine hervorragende Grundlage für gesundes Pferdeheu.

Am Ende bleibt allerdings ein Faktor, den niemand vollständig kontrollieren kann: das Wetter. Deshalb braucht es neben Erfahrung und Fachwissen auch immer ein wenig Geduld und Optimismus, um Jahr für Jahr gutes Heu für Pferde zu ernten.

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